Link zum Podcast-Archiv des Bayrischen Rundfunks - Sendung Breitengrad - Armenien - Land der begrenzten Möglichkeiten.

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Die Armenier - ein Volk mit einer jahrtausenden alten Kultur,

Sprache, Musik und Schrift

Das armenische Volk definiert sich über seine uralte Kultur. Als Armenien Ende des 3. Jahrhunderts vor Christus einen eigenen armenischen Staat gründete, „Grossarmenien“, war dies ein weiterer Wendepunkt für die Kultur, denn für den altgriechischen Historiker Geograph Strabon stand fest, dass bereits im 2. Jahrhundert vor Christus Armenien eine einheitliche Sprache hatte, die die tiefe Wurzel der Kultur ist. Mit der Sprache konnte sich auch die Musik entwickeln und mündliche - bspw. Sagen - als auch schriftliche Quellen zeugen bis heute hierüber.
Die Christianisierung Armeniens im Jahre 301, eine der frühesten in Europa, stellt den nächsten entscheidenden Meilenstein dar. Aus dieser Wurzel wuchsen die verschiedenen Musikrichtungen, hier vor allem der liturgische Gesang, ursprünglich geschrieben für Männerstimmen, aber auch die volkstümlichen Lieder, meist ritueller Art, die die Alltagswelt der Armenier widerspiegelte. So gibt es bis heute Lieder über die Arbeit, z. Bsp. ein Lied des Müllers, der bei der Arbeit über die Liebe nachdenkt, Hirtenlieder, Lieder über Hochzeiten, über die Ernte z. Bsp. das Klagelied über den Aprikosenbaum der dieses Jahr keine Früchte trägt und natürlich auch Kinder- und Scherzlieder. Doch das traditionelle Liedgut ist mit den geistlichen Liedern eng verbunden - beide hatten die gleiche Wurzel - eine wechselseitige Beeinflussung gerade durch das Rituelle fand statt.

Das armenische Alphabet



Mesrop Maschtoz (auf westarmenisch wird er Mesrob Maschdoz genannt)
wurde etwa im Jahr 360 in Hatsik, Provinz Taraun Armenien geboren. Er war ein armenischer Entwickler des Armenischen Alphabets. Nach einer hellenistischen Ausbildung in Antiochien und einer Zeit als Soldat im Dienste des armenischen Königs in Wagharschapat, wurde Mesrop Mönch und erhielt 392 die Priesterweihe. Da keine Bibel in armenischer Sprache zur Verfügung stand und die Armenische Sprache bis dahin keine Schriftsprache war, begann Mesrop mit Hilfe anderer Kirchengelehrter ein 36-buchstabiges Alphabet für die Armenische Sprache zu entwickeln, das unter anderem auf dem griechischen Alphabet beruhte. Später übersetzte er Teile der Bibel mit Hilfe seines Alphabets ins Armenische.
Mesrop Maschtoz beteiligte er sich maßgeblich an der Missionierung Armeniens.
Nach dem Tode des Katholikos Sahak übernahm er dessen Amt 439. Nach einem Jahr im Amt verstarb er mit 80 Jahren. Später wurde er als Heiliger verehrt.

Die leidvolle Geschichte der Armenier

Die Armenier, nach Vertreibung und Völkermord zuerst im osmanischen Reich und später durch die "Jungtürken", halten die Erinnerung an ihre Heimat und ihre Vergangenheit und alte Kultur wach. Unter jahrhundertelanger Fremdherrschaft, im vergangenen Jahrhundert Teil des zaristisch-russischen, später sowjetischen Reiches und nun umringt von islamischen Ländern, hat der starke Selbsterhaltungswille der Armenier nach dem Genozid keinen Ethnozid zuzulassen die eigenständige Kultur in Sprache, Schrift, darstellender Kunst und Musik weitestgehend bewahrt.

Wirtschaftliche Entwicklung

Unter der Sowjetherrschaft gehörte Armenien zu den am weitesten entwickelten Republiken, fiel jedoch mit dem Zusammenbruch des Kommunismus auf einen Bruchteil der ursprünglichen Wirtschaftskraft zurück. Das verheerende Erdbeben 1988 sowie die Schließung der Grenzen durch die Türkei und Aserbeidschan in Folge des Konflikts um Berg-Karabach lähmte die Wirtschaft. Heute leben weltweit mehr Armenier in der Diaspora als in Armenien.
In dieser wirtschaftlichen Krise wird Kunst und Kultur nur durch das ehrenamtliche Engagement Einzelner und Gruppen bewahrt. So hat die armenisch-apostolische Kirche mit der Übernahme der Jugendzentren aus sowjetischer Zeit eine wichtige Rolle in der Förderung junger Menschen durch Ausbildung in bildenden Künsten und Musik übernommen. Die armenische Diaspora hilft mit großzügigen Spenden die Infrastruktur ihrer Heimat zu verbessern, was dem Land hilft, aber leider nicht die Ursachen für die daniederliegende Wirtschaft beseitigt.

Unser Verein unterstützt sowohl als die armenischen Künstler, durch Tourneen, Kooperationen, CD-Produktionen, Veranstaltungen auch Ausstellungen, wie die mit uns und unserem Schwesternverein dem Kuratorium für Weltkulturdenkmal Kloster Lorsch und dem Frankfurter Museum für Weltkulturen, die Ausstellung Sevrugian.
Aber auch in Armenien versuchen wir zu unterstützen. Die kirchlichen Jugendzentren Nork und Arabkir
werden auch durch Spenden von Reisebegleitern, die mit Noah Armenien besuchen, gesammelt und unterstützt. Nachhaltiger ist sicher die komplette CD-Produktion mit dem Kinderchor Nork zu nennen, und durch dessen CD-Verkauf eine weitere Einnahmequelle an die Hand zu geben.